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Fährhaus um 1910
Am Farger Strand 1930
Juliusplate II
Zwei Generationen
Fähre Berne-Farge
Fähre 2011

Fortsetzung ...

 

Um die gleiche Zeit ist auch die heute noch bestehende Schnell-Lastfähre Berne-Farge GmbH in Leben gerufen worden, an der neben den drei Partner der 1957 gegründeten Fährgemeinschaft auch noch der Landkreis Wesermarsch beteiligt ist. Diese neu entstandene Gesellschaft baute zunächst die für eine große Lastfähre erforderlichen Rampen beiderseits der Weser, und am 28.5.1960 konnte bereits das erste Schnellastfährschiff, die „Berne-Farge“, seiner Bestimmung übergeben werden. Dieses Schiff hat ein Fassungsvermögen von 15 PKWs und 150 Personen. Es folgte dann in der Inbetriebnehme im Jahre 1964 die gleich große Fähre „Juliusplate“, und schließlich konnte am 31.7.72 das 22 PKWs und 220 Personen fassende Fährschiff „Stedingen“ in Dienst gestellt werden. Anstatt der angegebenen PKWs kann natürlich eine entsprechend geringere Anzahl LKWs (je nach Größe und ob mit Anhänger oder ob Sattelschlepper etc.) befördert werden. Bei allen drei Schiffen handelt es sich um solche, die durch Ruderpropeller angetrieben werden, d.h. sie werden nicht, wie bei herkömmlichen Schiffen, durch ein am Heck des Fahrzeugs angebrachtes Ruderblatt, sondern mittels der sie antreibenden Propeller gesteuert. Ein solches Schiff hat eine weit bessere Manövrierfähigkeit als ein rudergesteuertes. Es dreht sozusagen „auf dem Teller“ wie ein Hubschrauber. Die Schiffe sind mit modernsten Navigationsinstrumenten ausgerüstet und können bei jedem Wetter, selbst bei starkem Nebel, reibungslos operieren. Von den drei vorhandenen Fährschiffen sind zwei ständig im Fahrdienst, während das dritte jeweils gewartet und überholt werden kann. Mit zwei Schiffen können in einer Stunde etwa 20 Überfahrten vorgenommen werden, zur Pflicht gemacht sind sechs Doppelfahrten, also 12 Überfahrten pro Stunde. Die „Juliusplate“ kann, im Gegensatz zu den beiden anderen Schiffen, nicht nur an Rampen, wie denjenigen in Farge und Berne, an- und ablegen, sondern auch an der herkömmlichen Pontons, wie wir sie in Rönnebeck und Dedesdorf haben. Das Be-und Entladen wird dann natürlich an der Schiffsseite vorgenommen; aber auch in dem Fall können Kraftfahrzeuge ohne Schwierigkeiten befördert werden.

Erwähnt sei hier noch, daß im April des Jahres 1963 in Farge die Wilhelmshavener Straße fertiggestellt wurde, bei der es sich um eine großzügig ausgebaute Autostraße handelt, die eine direkte Verbindung zwischen der Fähre und der Farger Straße darstellt.

Dieses kurze Teilstück der Bundesstraße 74 hat wesentlich zur Vereinfachung des Kraftfahrzeugverkehrs von und zu der Farger Fähre beigetragen. Bis zu jenem Tag war die Fähre nämlich nur über die an sich doch recht primitive Straße Witteborg zu erreichen.

Abschließend darf hier gesagt werden, daß seit der Indienststellung der ersten Schnellastfähre im Jahre 1960 die Weiterentwicklung des Fährunternehmens nicht mehr aufzuhalten war. Waren es in jenem Jahr um die 100.000 Kraftfahrzeuge, die befördert wurden, so lautete die stolze Bilanz des vergangenen Jahres 617.000 Kraftfahrzeuge, davon 50.149 LKWs. Nicht eingerechnet in diese Zahl sind 7.615 Fahrzeuganhänger, die ebenfalls transportiert wurden. Und die Zahl der 1973 beförderten Personen beläuft sich auf 560.000.

So entstand aus einem vor nahezu 100 Jahren angefangenen Einmann-Nebenerwerbsbetrieb ein Unternehmen mit einer 25 Mann starken Belegschaft, das wirtschaftlich und verkehrstechnisch von größter Bedeutung für den gesamten Raum zwischen Unterweser und Elbe sowie für das Oldenburger Land und selbst für das angrenzende Holland geworden ist.

Die Farger Fähre

Die Farger Fähre einst und jetzt
Hans Lübsen (Heimatblatt Nr. 68, Juni 1974)

Der Ortsname Farge, der an Fähr erinnert, deutet darauf hin, daß hier bereits vor vielen vielen Jahren eine Übersetzmöglichkeit auf das gegenüberliegende Ufer der Weser – also eine Fähre – bestanden hat. Ursprünglich war Farge ein kleines Fischerdorf. Obwohl alte Urnenfunde auf frühzeitige Besiedlung des Ortes schließen lassen, hatte es bis 1586 mit nur drei Häusern keine Bedeutung. Die erste Ansiedlung muß etwa dort gelegen haben, wo 1852 die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder abgebrochene frühere Steingutfabrik Witteburg A.G. errichtet worden war, also in der Gegend des heutigen Farger Kraftwerks. Sie trug den Namen „Versfleth“ (Verse = Verge = Fähre am Fleth). Eines der ältesten Häuses dieser Siedlung dürfte zweifellos dort gestanden haben, wo sich heute das Fährhaus Meyer Farge befindet.

Die Fährverbindung zwischen Farge und der Juliusplate besteht seit 1823. Sie setzt die alte Fährtradition fort, die eine Verbindung zwischen Versfleth und Elsfleth aufrecht erhielt. Hier kreuzte die von Ostfriesland kommende Heerstraße, die quer durch Stader Gebiet an die Niederelbe heranführte, die Weser. Im 18. Jahrhundert wurde die Fähre zunächst alljährlich und später für jeweils drei Jahre verpachtet. Vor Beginn der Pachtzeit hatte der Pächter einen Vertrag zu unterschreiben, der seine Pflichten festlegte. Darin war u.a. erwähnt, daß „wenn der Pächter Vagabonden oder Bettler ins Land bringt“, der Vertrag für ungültig erklärt wird.

Der Pastor hatte den Namen des jeweiligen Pächters „abzukanzeln“, d.h. der Gemeinde von der Kanzel herab bekanntzugeben. Weil sich die Fährzuwegung in einem erbärmlichen Zustand befand, wurde die Fähre nicht allzu oft benutzt. Auch war die Weser in ihrem Verlauf sehr verwildert. Sandbänke, Untiefen, Schilfinseln und Schlickhalden machten das Überqueren des damals doppelt so breiten aber flachen Gewässers zu einem unsicheren und mühsamen Abenteuer. 1745 erklärte der Fährpächter Johann Kieling auf dem Landratsamt in Blumenthal: „Es wäre das Fehr in Farge gantz verschlammet und verschlicket, so daß auch weniger Leute sich dessen zur Überfahrt mehr bedienten, sein Mitpächter Albert Nienborg wollte also solches nicht mehr haben. Sie beide hätten vorher An-Pacht-Geld vor ein gantzes Jahr 2 Rthlr 16 Grote gegeben. Wann es solches nicht vor 1 Rthlr ein gantzes Jahr pro Futoro nicht bekommen könnte, so verlange er es nicht“. Weiter geht aus den Protokollen des Landrats hervor, daß sich im Jahre 1755 kein Pächter für die Fähre gefunden hat.

Für die Überfahrt von der oldenburgischen Seite nach Farge gab es ebenfalls eine Fährgerechtigkeit. Der Farger Fährmann durfte Fahrgäste ins Stedinger Land bringen, mußte jedoch leer zurückfahren. Der Personenverkehr vom linken Weserufer nach Farge wurde vom Fährmann der oldenburgischen Fährgerechtigkeit ausgeführt. Derselbe wohnte zuletzt in dem großen Haus auf der Juliusplate in unmittelbarer Nähe der Weser und betrieb nebenbei eine Korbflechterei.

Die gegen Ende des vorigen Jahrhunderts von Franzius begonnene Weserkorrektion brachte für den hiesigen Fährbetrieb einen großen Vorteil. Die Fährverhältnisse waren besonders auf der Oldenburger Seite bis dahin sehr primitiv. Um ans Fährboot zu kommen, mußte man wenigstens 20 bis 25 Meter durch weichen Schlick waten. Nicht selten mußte der Fährmann Damen durch den Schmutz tragen. Durch Anbaggerungen wurde damals ein passierbarer Weg ans Fährboot geschaffen.

Zwischen dem Farger Fährhaus und dem Strom erbaute die Weserkorrektion 1896 einen Leuchtturm. Derselbe wurde 1954 demontiert, da er von den stromaufwärts fahrenden Schiffen wegen der Erweiterungsbauten des Kraftwerkes nicht mehr wahrgenommen werden konnte.

Wie bereits gesagt, gehörte das Fährhaus in Farge zu den ältesten Häusern des Ortes. In alten Chroniken wurde es als Blankkate Nr. 8 (vermutlich also das achte Haus im Ort) bezeichnet. Es soll von einem hannoverschen Fürsten erbaut und als Erbzinsstelle verpachtet worden sein. Friedrich Rengstorf erwarb das Fährhaus und verkaufte es wieder an seinen Bruder Heinrich. Dieser war ein gelernter Uhrmacher. Im Winter unterrichtete er in diesem Hause Kinder, im Sommer betrieb er Holzhandel. Außerdem errichtete er dicht beim Fährhaus einen Kalkofen und brannte darin Muschelkalk. Im Jahr 1828 brannte das Fährhaus ab. Hinrich Rengstorf baute es wieder auf und vererbte es an seinen Sohn Maximilian, den Urgroßvater des jetzigen Inhabers vom Fährhaus Meyer. Der neben dem Haus befindliche Zuggraben diente den Farger Kahnschiffern als Winterliegeplatz.

Im Jahre 1857 wurde in Bremen der Norddeutsche Lloyd gegründet. Diese Schiffahrtsgesellschaft ließ im Sommer regelmäßig Personendampfer von Bremen nach Bremerhaven und zurück fahren (Eisenbahnverbindung Bremen-Bremerhaven besteht erst seit 1862). Fahrgäste, die in Farge ein- oder aussteigen wollten, wurden vom Fährmann mit einem Ruderboot ans Schiff bzw. an Land gebracht.

1898 übernahm Ferdinand Meyer das Farger Fährhaus und damit auch die Fähre zwischen Farge und der Juliusplate, die damals zunächst mittel eines Ruderbootes – eines sogenannten Dielenschiffes – betrieben wurde. Ich entsinne mich sehr wohl, daß drüben auf „Guntsiet“ – etwa zur Zeit des Ersten Weltkrieges – ein Stück von einer Eisenbahnschiene aufgehängt war, gegen das man mit einem kräftigen Hammer schlug, um durch den dadurch entstehenden lauten über die Weser schallenden Klang dem Fährmann (Ferdinand Meyer) kundzutun, daß man herübergeholt werden wollte. Diesseits der Weser, ganz in der Nähe der zum Schiffsanleger führenden Brücke, befand sich eine einzigartige, mehrere Personen fassende Schaukel, in der wir Kinder uns oft vergnügten.

Im Jahre 1919 trat an die Stelle des damaligen Ruderbootes ein Motorboot mit dem schönen Namen „Sturmvogel“. Zahlreiche zu befördernde Personen brachten auch ihre Fahrräder mit sich. Letztere wurden im Vorderteil des Schiffes aufgestapelt. Nicht selten mußten auch Motorräder im Boot transportiert werden, Autos gab es zu der Zeit kaum

Im Verlauf der Jahre folgten dann im Fährbetrieb die Motorboote „Juliusplate I“ und „Juliusplate II“. 1950 wurde auf der Farger Seite ein größerer Anleger gebaut, und 1957 errichtete die im gleichen Jahr gegründete Fährgemeinschaft Farge (Joh. Moll & Sohn, Ferdinand Meyer und Heinrich Dallmann) auf der Juliusplate einen Brückenkopf mit Brücke und Anleger. 1957 wurde schließlich das Fährschiff „Adler“, das früher zwischen Blumenthal und Motzen verkehrte und einen PKW aufnehmen konnte, in Dienst gestellt.

Große Sorgen bereitete in jenen Jahren der Fährweg über die Juliusplate den Fährbesitzern. Bei trockenem Wetter im Sommer und bei Frost im Winter war er leidlich befahrbar. Wenn aber die Erde von langanhaltenden Regenfällen aufgeweicht oder bei hochgehenden Fluten der Zufahrtsweg unter Wasser war, dann gab es für die Fährbesitzer kein Durchkommen. 1959 wurde grundlegender Wandel geschaffen; der Juliusplatenweg wurde großzügig ausgebaut und um 80 Zentimeter höher gelegt. Die neue 5 Meter breite Fahrbahn erhielt eine Teerdecke auf Schotterunterbau. Die Höherlegung der Straße sollte auch ein Befahren bei Sturmfluten gewährleisten. Das neue Deichschart liegt ebenfalls höher als das bisherige und braucht daher erst viel später geschlossen zu werden, um das Hinterland vor Hochwasser zu schützen.

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